Basel / Zürich. Direkte Demokratie, eine stabile Wirtschaft, erstklassige Infrastruktur – die Schweiz gilt weltweit als Vorbild; als ein Innovations- und Erfolgsmodell. Geht es jedoch um den Anteil an Führungs-Frauen in der Schweizer Volkswirtschaft, zeigt sich ein eher durchschnittliches Bild: Dies ist das Fazit des ersten Allbright-Berichts für die Schweiz, der heute veröffentlicht wurde.
Obwohl die Erwerbsquote von Frauen in der Schweiz im internationalen Vergleich Spitzenwerte erreicht, kommt der weibliche Anteil in den Schweizer Chefetagen kaum voran. Die Entwicklung stagniert seit längerem bei rund 22 Prozent. Besonders auffällig: Die wenigen Frauen, die es in die Geschäftsleitungen schaffen, sind selten Schweizerinnen. Satte 70 Prozent von ihnen stammen aus dem Ausland – vor allem aus den USA, Grossbritannien, Frankreich und Deutschland. Das zeigt eine tief sitzende strukturelle Blockade im Schweizer System. Frauen in der Schweiz arbeiten viel, aber strukturell bedingt oft unter ihren Möglichkeiten:
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- Geringe Teilzeit: Viele hochqualifizierte Frauen verbleiben in kleinen Pensums, was den Aufstieg in Führungspositionen massiv erschwert.
- Traditionelle Rollenbilder: Starre, stereotype Erwartungen an Mütter bremsen Karriereambitionen früh aus.
- Die Betreuungsfalle: Bezahlbare und flächendeckende Kleinkind- und schulische Ganztagsbetreuung ist in vielen Kantonen Mangelware.
- Steuerliche Fehlanreize: Die aktuelle Steuergesetzgebung belohnt das klassische Einverdiener-Modell bzw. bestraft das Zweiteinkommen (die sogenannte Heiratsstrafe). Es lohnt sich schlicht wirtschaftlich oft nicht, Vollzeit zu arbeiten.
Dass dieses Problem strukturell und tief verankert ist, belegen auch die Daten der AllBright Stiftung. Die Stiftung, die für ihre messerscharfen Analysen zur Chancengleichheit in Führungsetagen bekannt ist, nimmt in ihrem AllBright Bericht für die Schweiz die 100 grössten börsennotierten Unternehmen des Landes unter die Lupe.
„Schweizer Unternehmen lassen eine ihrer wertvollsten Ressourcen weitgehend ungenutzt – die hervorragend ausgebildeten Frauen im eigenen Land.“ – Allbright Bericht Schweiz 2026
Der Bericht bestätigt, wie zäh der Wandel vorangeht und deckt unbewusste Denkmuster (Gender Bias) auf, die bei Beförderungen in Schweizer Führungsetagen nach wie vor dominieren. Während internationale Talente eingekauft werden, um Quoten oder Kompetenzlücken zu füllen, scheitert die Förderung des internen, einheimischen Potenzials an starren Firmenkulturen und dem altbekannten „Thomas-Kreislauf“ – der Tendenz, dass Männer im Management am liebsten Männer befördern, die ihnen ähnlich sind.
Fazit: Eine betriebswirtschaftliche Verschwendung
Es ist nicht nur volkswirtschaftlich paradox, Millionen in die exzellente Ausbildung von Frauen zu investieren, um sie danach im administrativen Mittelfeld oder in der Care-Arbeit „umsonst“ zu parken, so der Allbright Bericht Schweiz und weisst darauf hin, dass es auch eine betriebswirtschaftliche Talentverschwendung sei, die Unternehmen teuer zu stehen kommt, weil sie den Fachkräftemangel durch kostspielige Rekrutierungen aus dem Ausland kompensieren müssen.
Der Appell ist klar: Es braucht Frauen, die Führung aktiv einfordern. Vor allem aber stehen die Unternehmen in der Pflicht. Wer im globalen Wettbewerb als innovativ gelten will, muss flexiblere Arbeitsmodelle schaffen und die gläserne Decke für Schweizer Frauen gezielt einreissen.
Die ALLBRIGHT Stiftung mit Sitz in Stockholm und Berlin ist eine politisch unabhängige und gemeinnützige Stiftung, welche sich für mehr Frauen und Diversität in den den Führungsebenen ein. Gleiche Karrierechancen für Frauen und Männer und bessere Unternehmensresultate durch gemischte, moderne Führungsteams sind das Ziel. AllBright richtet sich an Management und Personalverantwortliche in den Unternehmen sowie an Meinungsbildende und Medien und will insbesondere auf gelungene Lösungsansätze aufmerksam machen.



